Brum, Brum wir kommen rum
12.01.2018 Land & Leute

Allgäuer Busfahrer: "Darum lieben wir unseren Job!"

Sie bewegen die Menschen und fahren voll auf ihren Job ab! Wir haben mit drei Allgäuer Busfahrern gesprochen, die schon lange im Geschäft sind und sich keinen anderen Beruf vorstellen können. Gleichzeitig würden sie sich freuen, wenn ihnen mehr junge Leute nacheiferten. Derzeit plagen die Allgäuer Busunternehmen nämlich Nachwuchssorgen, wie die Allgäuer Zeitung meldet. Warum sich Alex Rädler (48), Herbert "Hebbe" Sturny (60) und Jürgen Münch (62) auf jede Fahrt freuen, verraten sie hier.

"Fahrer verzweifelt gesucht."

Mit dieser Schlagzeile machte die AZ in dieser Woche auf die Nachwuchssorgen in den Allgäuer Busunternehmen aufmerksam. Sie suchen teils händeringend nach neuen Fahrern. "Das ist eine Katastrophe", sagt beispielsweise Wolfgang Boll, Geschäftsführer von Busreisen Boll in Scheidegg (Westallgäu). Für den kleinen Betrieb ist die aktuelle Entwicklung existenzbedrohend. Viele Junge wollen demnach nicht mehr am Wochenende oder mehrere Tage unterwegs sein. Auch die Kosten für die Fahrlizenz, die viele früher bei der Bundeswehr machten, wirken abschreckend. "Alte Hasen" unter den Busfahrern im Allgäu können sich indes kaum einen schöneren Job vorstellen. Wir haben drei von ihnen befragt: 

Alex Rädler (48) aus Kempten (fährt für die RBA): "Ich bin seit 27 Jahren Busfahrer und mit Leidenschaft dabei. In unserem Job bist Du nicht nur Fahrer, sondern auch Zuhörer und Helfer. Die Leute kommen zu Dir wie zu einem Arzt oder Psychologen. Ich kenne viele Stammgäste auf den einzelnen Strecken, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Man freut sich, wenn man sich sieht - und zwar über alle Generationen hinweg. Ich kenne junge Erwachsene, die ich schon durch die Lande kutschierte, als sie noch Kinder waren. Da ist eine richtige Bindung enstanden. Oder auch die alten Leute, die mir ihre Probleme erzählen oder Späßchen machen. Früher hab ich auch die Eishockey-Mannschaft der damaligen EA Kempten chauffiert. Da sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten! Und dann kommt natürlich noch die schöne Allgäuer Landschaft dazu. Am liebsten fahre ich die Überlandlinie nach Füssen. Da ist das Panorama traumhaft. Früher bin ich auch Reisebusse gefahren, zum Beispiel nach Polen, Italien oder Holland. Aber als Familienvater sind mit die geregelten Arbeitszeiten im Linienbusverkehr mittlerweile lieber."  

Herbert "Hebbe" Sturny (60) aus Betzigau (fährt für die RBA): "Als Busfahrer bist Du Dein eigener Herr. Du fährst raus, siehst was von der Welt - und bekommst viele Kontakte zu netten Leuten. Und Du hast (fast immer) den längsten Transporter! Unsere Busse sind 12, 15 und sogar 18 Meter lang. Da hält kaum ein anderer Fahrzeugfahrer mit. Apropos Verkehr. Am schönsten ist der Gelegenheitsverkehr! So nennen wir im Branchenjargon Fahrten ohne Haltestellen, die oft über längere Strecken führen. Ich hab zum Beispiel 15 Jahre die Footballer der Allgäu Comets zu ihren Auswärtsspielen kutschiert. Das ging bis nach Amsterdam. Das sind natürlich tolle Erlebnisse, die ich nicht missen möchte. Meinen Busführerschein (Klasse D) habe ich damals bei der Bundeswehr gemacht. Wichtig ist, dass Du eine gewisse Coolness mitbringst. Du hast als Bufsahrer eine große Verantwortung und darfst Dich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Busse dürfen auf Landstraßen maximal Tempo 80 und auf Autobahnen Tempo 100 fahren. Autofahrer, die das stört, sind selbst schuld. Ich höre zur Beruhigung am liebsten das neue RSA Radio. Da weiß ich auch immer, was auf den Allgäuer Straßen los ist. "

Jürgen Münch (62) aus Sonthofen (fährt für Komm mit): "Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man sich ans Lenkrad eines so großen Fahrzeugs setzt. Gerade am Anfang. Als früherer Berufssoldat habe ich meinen Busführerschein damals bei der Bundeswehr gemacht. Seit 2007 fahre ich aushilfsweise für Komm mit. Pro Jahr komme ich auf etwa 45.000 Kilometer. Mir macht es großen Spaß. Ich fahre oft Zubringer für Reisegruppen, beispielsweise für Kreuzfahrt-Urlauber. Dann geht es nach Bremerhaven, Hamburg oder Genua, wo sie mit ihren Schiffen in See stechen. Bei solchen Fahrten ist immer ein Kollege dabei, mit dem man sich abwechselt. Das ist echtes Team-Work.  Am besten gefallen haben mir die Jahre, in denen ich die damaligen Erstliga-Volleyballerinnen vom Allgäu Team Sonthofen zu ihren Auswärtszielen gebracht habe. Wir hatten viel Spaß und einen tollen Zusammenhalt. Wobei ich insgesamt sagen muss: Die Gäste sind eigentlich immer gut drauf. Wer neu in den Beruf einsteigen will, sollte auf jeden Fall in der Lage sein, sich gut zu konzentrieren."    

P.S.: Weitere Infos zum Busführerschein erhältst Du hier 


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