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14.12.2018 Sehen & Hören

Allgäuer Blasmusik-Special I: Von Polka bis Punk

Blasmusik gehört zum Allgäu wie der Käse in die Kässpatzen. 816 Vereine mit etwa 40.000 Musikern zählt der Allgäu-Schwäbische Musikbund (ASM) insgesamt. Dazu kommen zig Formationen und Ensembles, die anderweitig organisiert sind. „Vor allem im Allgäu hat die Blasmusik einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Joachim Graf, Geschäftsführer des ASM. Die Allgäuer Zeitung widmet unseren Musikern am Wochenende deshalb einen Sonderteil - und auf allgaeu.life siehst Du im Video, weshalb es gut ist, wenn man echte Könner an die Instrumente lässt. Was Blasmusik ausmacht, erklären Dir hier zwei davon aus dem Westallgäu.

Kaum fünf Minuten vergehen, ohne dass im Radio Blasmusik erklingt. Fetter Bläsersound im Popsong, ein gefühlvolles Solo in der Soulballade – Blasmusik ist mehr als Polka, Tracht, Musikverein. Dieser Meinung sind zwei Westallgäuer, die sich ein Leben ohne ihre Blasinstrumente kaum vorstellen können: Julia Schneider und Hans-Peter Rapp. Beide haben in einer Blaskapelle angefangen. Beide sind heute in verschiedenen Stilrichtungen zu Hause. 

Eine Definition für „Blasmusik“ zu finden, ist schwer, findet Hans-Peter Rapp, 35, Saxophonist. „Eigentlich ist Blasmusik alles, was mit Blasinstrumenten zu tun hat – und selbst da ist die Grenze schwer zu ziehen. Ein Schlagzeug beispielsweise gehört fest zu einer Kapelle“, gibt der Lindenberger zu bedenken. Was die Blasmusik ausmache: Vielseitigkeit.

„Es ist interessant, was man alles aus Blasinstrumenten rausholen kann, wo man sie einsetzen kann“, sagt Rapp. Er ist über die Musik der 80er Jahre zu seinem Instrument gekommen. „In jedem Bon-Jovi-Song ist ein Saxophon, da dachte ich: Das will ich lernen.“

Als Zwölfjähriger absolvierte er in der Musikschule eine „klassische Ausbildung“ mit Atemtraining, Formen des Tons, Etüden. Dann kam er in die Musikkapelle Röthenbach, lernte das Zusammenspiel, den Klang seines Instruments anzupassen. Eine „kleine Offenbarung“ war schließlich die Schulbigband, der Einstieg in den Jazz. „Der Ton, das Spiel, der Ansatz: Alles ist hier anders, alles ist möglich.“ Man könne bei einem Solo aus sich herausgehen, den Ton „schränzen“, heulen oder knurren lassen. Rapp spielte in mehreren Formationen, in mehreren Stilrichtungen, von der traditionellen Blasmusik mit Walzer, Polka, Marsch bis zu Rock, Ska, Punk mit „Jump The Shark“.

Was Blasmusik nicht ausmacht, zeigen Dir die AZ-Redakteure... ;-)

Fachsimpeln, zusammensitzen, ratschen

Auch für Julia Schneider ist Blasmusik primär Musik aus Instrumenten, die man mit der eigenen Luft zum Klingen bringt. „Aber die Art zu spielen unterscheidet sich von Genre zu Genre extrem.“ Die 22-Jährige startete erst auf dem Cello, lernte dann Trompete. Mit der Stadtkapelle Wangen hat die Hergatzerin ein „Zwischending“ für sich entdeckt: sinfonische Blasmusik. In der traditionellen Blasmusik fühlt sie sich genauso zuhause wie in der klassischen Musik. Schließlich landete sie mit ihrer Trompete im Bayerischen Landesjugendorchester, einem sinfonisch besetzten Orchester mit Streichern und Bläsern. Das nächste Projekt: „die Auferstehungssinfonie“ von Gustav Mahler.

Jede Stimme ist nur einmal besetzt. Da schwingt schon ein bisschen Stolz mit, wenn man weiß: Es kommt auf mich an.
Trompeterin Julia Schneider

„Blasmusik in einem ganz anderen Kontext“, nennt sie das. Wenn sie mit Streichern auf der Bühne sitzt, muss sie anders herangehen als in der Stadtkapelle. „Jede Stimme ist nur einmal besetzt. Da schwingt schon ein bisschen Stolz mit, wenn man weiß: Es kommt auf mich an.“

Egal, wo sie gerade spielt, der Reiz ist für Schneider, mitzuerleben, wie ein Stück entsteht. Und dabei merke sie: Blasmusik verbindet. „Oft haben Bläser den gleichen Hintergrund. Fast jeder hat mal in einer Blaskapelle gespielt oder tut es noch.“ Fachsimpeln, zusammensitzen, ratschen: Das komme automatisch. Diese „soziale Komponente“ gehört auch für Hans-Peter Rapp dazu: „Das macht einen Verein, eine Gruppe aus.“ Deswegen raten beide jedem Blasmusiker: Dranbleiben – auch wenn das Üben manchmal schwerfällt. Denn Blasmusik ist viel mehr, als man bei diesem Begriff im ersten Moment vielleicht denken mag.

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