Nach Allgäuer Tierskandal
28.11.2019 Hier & Heute

Allgäuer Bauern und Verbraucher diskutieren: Wie steht's um den Tierschutz in der Landwirtschaft?

Podiumsdiskussion Tierschutz
Tierschutz und Landwirtschaft – passt das zusammen? In Kempten haben Experten, unter anderem Vertreter von Landwirten, Veterinären und Tierschützern, mit etwa 200 Bauern und Verbrauchern diskutiert. In der Veranstaltung der Allgäuer Zeitung ging es etwa um die Frage, wie Nutztierhaltung und Tierschutz miteinander vereinbart werden können. Für Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte, ist das durchaus möglich. Vor dem Hintergrund des Tierskandals im Unterallgäuer Bad Grönenbach sagte er aber auch: „Unser Kontrollsystem ist völlig ineffektiv.“

Derzeit würden in den Ställen nur Momentaufnahmen festgehalten. Wichtiger sei es, Tendenzen der gesamten Entwicklung zu sehen.

Nutztierhaltung und Tierschutz – Widerspruch oder Selbstverständlichkeit? Das war die zentrale Frage der Podiumsdiskussion in der Hochschule Kempten. Der Tierskandal in Bad Grönenbach hat viele Menschen geschockt, sie fordern, dass sich die Landwirtschaft ändern muss. Zahlreiche Bauern dagegen fühlen sich zu Unrecht verunglimpft. Sechs Experten, unter anderem Vertreter von Landwirten, Veterinären und Tierschützern, diskutierten daher mit etwa 200 Bauern und Verbrauchern.

Es zeigte sich: So weit gehen die Meinungen gar nicht auseinander. Das Wohl der Tiere liegt allen am Herzen und auch die Verbraucher sind in der Pflicht. Veranstaltet wurde der Abend von unserer Zeitung und dem Bauernverband.

>> Vorstellung und Realität Er beobachte eine Entfremdung zwischen Bauern und Verbrauchern, sagte Gabriel Bernhard vom Arbeitskreis Öko der Hochschule Kempten. „Viele wissen nicht, wie es in der Landwirtschaft wirklich zugeht“, sagte er. Das zeige sich oft in Gesprächen mit anderen Studierenden. Manch einer wüsste kaum, woher die Milch kommt. Auch Andreas Hummel, stellvertretender Kreisobmann des Bauernverbands im Oberallgäu, kennt das Problem. Er ist Landwirt und vermietet Ferienwohnungen, hat daher viel mit Gästen zu tun. Es sei „schockierend“, wie weit das vermeintliche Wissen über die Landwirtschaft von der Realität entfernt sei.

Dr. Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte, mahnte, die Tiere in der Diskussion nicht zu sehr zu vermenschlichen. „Kühe fühlen sich nicht bei 30 Grad mit Chips auf dem Sofa wohl.“ Früher sei Aufklärung über den Beruf des Bauern kaum notwendig gewesen, jeder habe im Bekanntenkreis Einblicke erlangen können, sagte Alfred Enderle, Bezirkspräsident des schwäbischen Bauernverbands auf eine Frage von Moderator Uli Hagemeier, Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung. Heute sei das nicht mehr so. Er räumte ein, dass der Bauernverband Marketingorgane abgebaut habe. Künftig müsse wieder mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden.

In Umfragen ist immer jeder bereit, für gute Produkte mehr zu zahlen, aber das tatsächliche Einkaufsverhalten sieht anders aus.
Ludwig Huber vom Genossenschaftsverband Bayern über die Verbraucher

>> Nutztierhaltung und Tierschutz In einem waren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig: Tierschutz sollte in der Nutztierhaltung eine Selbstverständlichkeit sein – aber mit Augenmaß, betonte beispielsweise Moder. „Auch uns Tierschützern ist klar, dass die Nutztierhaltung ein Bestandteil unserer Gesellschaft ist“, sagte Johanna Ecker-Schotte vom Deutschen Tierschutzbund (Landesverband Bayern). Man kritisiere aber, dass immer mehr und immer schneller produziert werde. Lebensmittel würden so „verramscht.“ Es dürfe nicht vergessen werden, dass Nutztiere auch Lebewesen sind. Dem stimmten die Landwirte in der Runde zu. Nur wenn es den Tieren gut gehe, stimmten Leistung und Ertrag. Dass sich die Rahmenbedingungen verändert haben, stellte Enderle dar: Im Jahr 1960 gab es in Deutschland noch etwa 1,4 Millionen Bauern, einer ernährte im Schnitt 17 Menschen. 2017 waren es nur noch etwa 269.000 Landwirte, die jeweils 135 Menschen versorgten.

Bauern- u. Bürgerdialog in KE

Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
Podiumsdiskussion Tierschutz
In der Kemptener Hochschule diskutieren sechs Experten mit etwa 200 Landwirten und Verbrauchern. Die unterschiedlichen Gruppierungen sind oft ähnlicher Meinung. Fazit: Nicht nur Bauern, auch Bürger müssen handeln. Christoph Kölle
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>> Kontrollen „Unser Kontrollsystem ist völlig ineffektiv“, sagte Tierarzt Moder. Jetzt noch weitere Spezialisten für dasselbe System einzusetzen, sei nicht zielführend. Derzeit würden in den Ställen nur Momentaufnahmen festgehalten. Wichtiger sei es aber, die Tendenzen der gesamten Entwicklung auf dem Hof zu sehen. Moder appellierte an die Bauern, sich beraten zu lassen. Landwirt Hummel sagte: „Auch Selbstkontrolle kann funktionieren.“ Dafür müsse man Zeit investieren, genau hinschauen, „dabei bleiben und den inneren Schweinehund überwinden“. Dass Kontrollen von den Molkereien durchgeführt werden, ist laut Ludwig Huber vom Genossenschaftsverband Bayern, der dort für das Thema Milch verantwortlich ist, nicht leistbar. Sie seien Aufgabe des Staates.

>> Verantwortung der Verbraucher „Man macht es sich zu einfach, wenn man die Schuld nur bei den Bauern sucht“, sagte Student Gabriel Bernhard. Das Thema Tierschutz sei viel komplexer. Außerdem dürfe nach Ansicht vieler im Saal nicht vergessen werden, dass Angebot und Nachfrage voneinander abhängig seien. „In Umfragen ist immer jeder bereit, für gute Produkte mehr zu zahlen, aber das tatsächliche Einkaufsverhalten sieht anders aus“, sagte beispielsweise Genossenschaftler Huber auf eine Frage von Moderator Markus Raffler, stellvertretender Redaktionsleiter der Allgäuer Zeitung.

Am derzeitgen Preis könnten die Molkereien nicht viel ändern: Man könne es dem Handel in Gesprächen „schon zeigen, aber dann verkauft man nichts mehr.“ Das wiederum wollte Bernhard so nicht stehen lassen. „Heute Abend haben alle Gruppen Fehler eingeräumt, nur Sie nicht“, sagte er an Huber gerichtet. Bauernverbandspräsident Enderle forderte die Verbraucher auf, nicht nur in den Rathäusern für mehr Artenvielfalt zu unterschreiben, sondern beim Einkaufen auch Taten sprechen zu lassen.

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