Football
10.02.2020 Sport & Action

Allgäu Comets: Brandon Kohn kehrt zurück ins Team

Die Allgäu Comets vermelden einen Coup: Mit Brandon Kohn (32) kehrt einer ihrer früheren Top-Spieler zurück ins Team. Der Offensivspieler soll beim Saisonstart im Mai in der German Football League (GFL) zum Einsatz kommen. Mehr über die Hintergründe gibt's hier.

Brandon Kohn träumt dieser Tage im Allgäuer Winter gerne mal von seiner Heimat. Vom Krafttraining am Strand, von Konditionseinheiten in der heißen Sonne Kaliforniens. Wenn er seine Sporttasche packt und zum Trainingsgelände der Allgäu Comets am Bachtelweiher fährt, holt ihn die Realität ziemlich schnell wieder ein. "Ich brauche Handschuhe, zwei Hosen und drei Paar Socken, damit es mich nicht friert", meint der 32-Jährige lachend. Seit November des vergangenen Jahres ist Kohn wieder in Kempten. Und das macht ihn, Winter hin oder her, sehr glücklich. Denn hier wohnt seine Familie: Ehefrau Susan, die beiden Stiefkinder Amy und Tristan sowie Töchterchen Ava, acht Monate jung und sein ganzer Stolz. "Mein kleines Schmusekind", sagt er freudestrahlend.

Bei den Allgäu Comets hat er 2014 nach drei enttäuschenden Jahren in Berlin, Rostock und Düsseldorf einen sportlichen Neuanfang gewagt. Mit seiner Rückkehr zum Football-Bundesligisten schließt sich nun der Kreis. "Dieses Mal bleibe ich für immer. Kempten ist meine Heimat", sagt er. Bei den Comets wird man sich über diesen Treueschwur freuen. Schon zwei Mal hatte der US-Amerikaner seine Zelte an der Iller zuvor wieder abgebrochen. 2015 war seine Mutter erkrankt, Kohn verließ das Allgäu während der Saison in Richtung Kalifornien. 2017 kehrte er zurück, um ein Jahr später zum Top-Team nach Schwäbisch Hall zu wechseln.

Dort erfüllte er sich einen großen Traum, spielte im Herbst 2019 mit den Unicorns im Finale um den German Bowl, die deutsche Meisterschaft. Das Endspiel gegen Braunschweig wurde zwar 7:10 verloren, Kohn schwärmt aber noch immer in den höchsten Tönen: "Schwäbisch Hall ist eine super Mannschaft mit einem tollen Trainer. Ich spiele seit 23 Jahren Football und stand zum ersten Mal in einem so wichtigen Finale. Vor 20 000 Zuschauern. Das war verrückt. Ich habe in diesem Jahr sehr, sehr viel gelernt." Von dieser Erfahrung sollen nun die Comets profitieren.

Dass Kohn wieder nach Kempten gelotst wurde, bezeichnet Sportdirektor John Schanbacher als "großen Coup". "Er ist in der Offensive flexibel einsetzbar. Er soll und kann die Mannschaft anführen. Wir freuen uns, dass Brandon von Anfang an Feuer und Flamme für unsere Pläne war", sagt der 19-Jährige.

Er ist in der Offensive flexibel einsetzbar. Er soll und kann die Mannschaft anführen. Wir freuen uns, dass Brandon von Anfang an Feuer und Flamme für unsere Pläne war. 
Sportdirektor John Schanbacher 

Kohn ist sich seiner tragenden Rolle bei den Comets bewusst. Druck verspüre er aber nicht. Er spricht vielmehr von Verantwortung. "Ich möchte alles dafür geben, jeden bei uns im Team mit meinem Wissen und Können ein bisschen besser zu machen", sagt der 32-Jährige. Sein Potenzial ist unbestritten. Es blitzte schon früh auf: 2006 und 2007 spielte er für die Contra Costa Comets, eine College-Mannschaft aus San Pablo. Kohn brach einige Schulrekorde, wurde in die Liga-Auswahl der Northern California Football Association gewählt und erhielt ein Vollzeit-Sportstipendium.

Dreimal pro Woche trainiert er derzeit zusammen mit seinen Teamkollegen, dazu kommen einige Zusatzeinheiten bis zum Saisonstart Anfang Mai. Zuhause warten auf Kohn zwei weitere Herausforderungen: Er arbeitet derzeit an seiner Diplom-Arbeit als Sonderpädagoge für autistische und lernschwache Kinder. "Ich muss viel lernen und lesen. Und ich muss eine 70-seitige Abschlussarbeit schreiben. Gott sei Dank in englischer Sprache", erzählt er in gebrochenem Deutsch. Er verspricht aber auch, sich in den kommenden Monaten intensiv um seine Sprachkenntnisse zu kümmern. Kohn sagt: "Ja, ich will unbedingt Deutsch lernen und werde auch einen Crashkurs belegen." Eine ehrgeizige Ansage, von der auf dem Platz in diesem Jahr etliche weitere folgen sollen.

Weitere Artikel