Sensationelle Bilder
13.04.2018 Land & Leute

Adrenalin und Abenteuer: Allgäuer fotografiert Militärflugzeuge auf der ganzen Welt

Wenn er Fotos macht, ist die Gefahr fast immer dabei. Tom Engel fotografiert seit vielen Jahren Militärjets. Sein Hobby führt ihn an Orte, die andere nur aus dem TV kennen. Der Unterallgäuer stand schon auf amerikanischen Flugzeugträgern auf hoher See oder erlebte die Luftbetankung von Jets hautnah. Wie man als Hobbyfotograf zu solch außergewöhnlichen Abenteuern kommt und weshalb man dafür ein "harter Hund" sein muss, erfährst Du hier. Plus: Schau Dir die spektakulären Aufnahmen in unserer Galerie an.

Vier Tage lang steht Tom Engel in den walisischen Bergen. Es ist kalt und nass, unaufhörlich pfeift der Wind. Dort oben gibt es nur Schafe, sonst nichts. Was also treibt einen Allgäuer hier hin?

Ich will Sachen machen, an die andere nicht herankommen.
Extremfotograf Tom Engel

Die Antwort kommt am Himmel mit bis zu 800 Stundenkilometern angedonnert. Ein Tornado der britischen Royal Air Force. In knapp zwei Kilometern Entfernung sieht Engel das Kampfflugzeug am Horizont auftauchen. Die Maschine fliegt über der Low Flying Area 7 eine Kurve, liegt rund 50 Meter über dem Boden im 90 Grad Winkel in der Luft. Jetzt heißt es schnell sein. "Die Kamera ist bereit, der Fokus muss sitzen, es ist der Bruchteil einer Sekunde, in der ich mit der Flugbewegung mitgehen und auf den Auslöser drücken muss", erzählt er.

Dem Fellheimer gelingen spektakuläre Aufnahmen: Die Geschwindigkeit ist in den Fotos greifbar, dennoch sind die Bilder messerscharf und aus nächster Nähe. Im Cockpit kann man die Bewegungen der Piloten bei der Arbeit sehen, einer winkt dem Allgäuer Fotografen im Kurven-Tiefflug sogar zu. Herausforderung gemeistert!

Allgäuer Extremfotograf zeigt spektakuläre Flugbilder

Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel
Tom Engel

Engel einen Hobbyfotografen zu nennen, würde ihm nicht gerecht. Obwohl er seine sensationellen Aufnahmen tatsächlich fast ausschließlich für sich selbst macht. Extremfotograf trifft es voll und ganz. Denn mit seiner Kamera und seinen Objektiven macht sich der 53-jährige Unterallgäuer seit vielen Jahren auf die Jagd nach Militärflugzeugen. Dabei erlebt er Abenteuer und kommt an Orte, die wahrlich außergewöhnlich sind. Engel stand auf amerikanischen Flugzeugträgern und knipste Jagdbomber beim Start zu Einsätzen in Afghanistan. Es sind nicht die Waffen, die ihn faszinieren, sondern die hochkomplexen Flieger. Er saß in Tankflugzeugen der US-Airforce und der deutschen Luftwaffe und erlebte die Luftbetankung von Jets hautnah. "Genau das ist der Reiz: Ich will Sachen machen, an die andere nicht herankommen", sagt er im allgaeu.life-Interview.

Adrenalin pur: Die Gefahr ist immer dabei, wenn Tom Engel spektakuläre Bilder macht

So wie kürzlich auf dem Flugzeugträger USS-Eisenhower. Gemeinsam mit einem Schweizer Kollegen hatte Engel eine Anfrage bei den US-Militärs gestellt. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen - doch dank seiner Kontakte und dem Namen, den er sich inzwischen gemacht hat, erhielt er tatsächlich eine Antwort per E-Mail: "Es hieß, wir sollen uns in vier Tagen auf Kreta einfinden. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt. Früh morgens sind wir dort vom Stützpunkt Souda Bay mit einer Greyhound in Richtung hohe See aufgebrochen."

Schon der Flug in dem Transportflugzeug lässt das Adrenalin in die Höhe schießen. "Du siehst nichts, alles ist dunkel, irgendwann setzt die Maschine mit einem Riesenschlag auf, dich drückt es mit dem Mehrfachen deines Gewichts in den Sitz." Doch auf dem Flugzeugträger vor der ägyptischen Küste geht es erst richtig ab! "Viereinhalb Stunden lang boten uns 60 Maschinen das volle Programm: Tiefflüge, Starts und Landungen, Luftbetankung... Eine Super-Hornet durchbrach die Schallmauer seitlich des Trägers in etwa 50 Metern Höhe. Das hat einen Bätscher getan, das vergisst man nicht mehr. Man spürt, wie die Organe durchgerüttelt werden", erzählt der Unterallgäuer mit leuchtendenden Augen. Grenzerfahrungen, die alles andere als ungefährlich sind. "Auf Flugzeugträgern kann immer etwas passieren. Wir standen einen Meter von dem Absperrseil an der Startbahn entfernt. Wenn das reißt, dann bist du Hackfleisch."

Doch für seine Faszination Militärflugzeuge geht Engel über Grenzen hinaus. Schon seit seiner frühesten Kindheit ist er "infiziert". Sein Vater war Spieß bei der 2. Fliegenden Staffel des Jagdbombergeschwaders "Allgäu" in Memmingerberg. Für vier Jahre wird er an den Luftwaffenstützpunkt in Decimomannu auf Sardinien versetzt, der kleine Tom wächst quasi zwischen den Starfightern auf dem Flugplatz auf. "Diese Zeit hat mich geprägt. Die Triebwerksgeräusche ließen mich nie wieder los", sagt er. Weil er fließend Italienisch spricht, darf auch er seinen Wehrdienst in "Deci" absolvieren, bleibt dort vier Jahre als Fernmelder, ehe es ihn als "Zivilist" zurück in den gastronomischen Familienbetrieb nach Berkheim verschlägt.

Mit einem Bein im Knast: Militär-Geheimnisse sind tabu

Geblieben sind die Leidenschaft für Jets und viele Kontakte, die ihm jetzt helfen, seine krassen Abenteuer zu realisieren. "Die Beziehungen sind das A und O. Dennoch ist es ganz schwierig, überhaupt irgendwo reinzukommen. Man muss hartnäckig, aber nicht zu aufdringlich sein", erzählt er. Dass er bei einer Luftbetankung an Bord eines „Multi Role Transport/Tanker“, kurz MRT/T, sein durfte, habe ihm ein hoher Luftwaffen-General in Berlin ermöglicht, der früher auch in Memmingerberg stationiert war.

Bei seinen Aufnahmen muss sich Engel an strengste Regeln halten: Fotografiere nie das Gesicht eines Soldaten, bilde keine Details der Maschinen ab – all das sind Militär-Geheimnisse. "Auf einem Stützpunkt in New Mexico habe ich mal Tornados fotografiert. Dort gab es auch F117-Tarnkappenflugzeuge oder F16-Maschinen und meine amerikanischen Begleiter gaben mir deutlich zu verstehen, dass ich direkt ins Gefängnis gehe, wenn ich davon auch nur ein Foto mache", erzählt er.

Abschrecken kann ihn das nicht, zu viel hat er bei seinen Reisen in ganz Europa, nach Pakistan, Dubai oder in die USA schon erlebt. Die nächsten Abenteuer sind schon in Planung. Zweimal im Jahr zieht es ihn hinaus in abgelegene oder gefährliche Orte. "Um das zu machen, musst du positiv-verrückt sein", sagt er lachend. 

Auch Tom Engels Neffe Maximilian hat sich als "Plane Spotter" einen Namen gemacht. Seine Bilder und die Geschichte über ihn siehst Du hier.
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