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10.09.2019 Wissen & Quizzen

Über eine 1 Millionen Abonnenten! Captain Joe ist der erfolgreichste Youtube-Star aus dem Allgäu

Früher oder später landen alle Flugfans bei ihm: Captain Joe ist der mit Abstand erfolgreichste Youtube-Star aus dem Allgäu! Über 1 Millionen Abonnenten folgen Co-Pilot Joe Diebolder (35) aus Isny. In seinen unterhaltsamen Videos lüftet er Geheimnisse rund um das Thema Luftfahrt, erklärt technische Details und geht auf Fragen seiner Follower ein. Wie er sich den Erfolg erklärt und was er anderen Youtubern rät, erfährst Du im allgaeu.life-Interview hier.

Herzlichen Glückwunsch, Captain Joe. Über eine 1 Millionen Abonnenten auf Youtube - das hat kein anderer Allgäuer. Wie erklärst Du Dir den Steilflug? Dein erstes Video (einfach unten anlicken)  ist gerade mal drei Jahre alt... 

 Joe Diebolder: Ja, das ist schon der Wahnsinn. Ich hätte nie gedacht, dass die Videos so einschlagen werden. Mein Ziel war immer, die Faszination Fliegen verständlich und authentisch rüberzubringen. Es gibt unheimlich viele Menschen, die sich dafür interessieren, wie ein Flugzeug funktioniert und was darin während eines Fluges alles passiert. Das versuche ich so gut wie möglich zu erklären. Einmal pro Woche gibt's ein neues Video. Das Wichtigste: Alles muss korrekt sein!

Viele Jugendliche träumen davon Youtube-Star zu werden. Was rätst Du ihnen?  

Joe Diebolder: Lerne etwas Vernünftiges. Mach eine Ausbildung oder Studium. Sei Experte auf Deinem Gebiet. Dann kannst Du anderen etwas vermitteln, das sie vielleicht spannend finden. Wenn es mit Youtube nicht klappt, dann hast Du einen Job und ein sicheres Gehalt. Erfolg lässt sich auf Youtube oder Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook nicht planen. Da gehört auch Glück dazu. 

Kannst Du mittlerweile von Deinen Youtube-Aktivitäten leben? 

Joe Diebolder: Das ginge vermutlich. Aber dann müsste ich die Zahl meiner Videos verdoppeln, um noch mehr Werbeeinnahmen zu bekommen. Dieser Druck ist, glaube ich, nicht gut. Außerdem macht mir das Fliegen einfach zu großen Spaß! Nach dem Aus der Air Berlin bin ich zur luxemburgischen Frachtfluggesellschaft Cargolux gewechselt. Wir fliegen Equipment, beispielsweise für die Formel 1 oder für Hollywood-Produktionen, mit einem Jumbo 747 durch die ganze Welt. Ein super Job! Außerdem bin ich als Motivationstrainer und -redner unterwegs. Und ich werde sehr häufig eingeladen. Zum Beispiel in die USA. Ich bin stolz darauf, die Wohltätigkeitsorganisation "Challenge Air" unterstützen zu dürfen. In Dallas fliege ich für Kinder, die krank sind oder ein Handicap haben. Wir heben gemeinsam in einer Cessna ab. Für die Kids ist das eine Riesen-Sache, aus der sie viel Motivation für ihren ziehen.      

Die Begeisterung fürs Fliegen entdeckte Joe Dieobolder als 14-Jähriger am Flughafen Durach. Ein Freund seiner Familie hob mit ihm in einem Doppeldecker ab. "Da war's quasi um mich geschehen", erinnert er sich. 
Seine ersten Videos stellte er als Co-Pilot der damaligen Air Berlin ins Netz. Auf die Idee brachte ihn sein Vater Hans (69). Der Zahnarzt hatte viele Fragen rund ums Fliegen. Von  einem familieninternen Video war er so begeistert, dass er seinen Sohn ermutigte: "Du musst mehr davon machen. Das ist genau Dein Ding!"
Das Pseudonym Captain Joe wählte Joe Diebolder, weil es leicht zu merken ist. Außerdem steht "Average Joe", im Amerikanischen für den "Otto Normalverbraucher" - und genau diesen "Normalo" will Joe die Fliegerei vermitteln.  
Die meisten Aufrufe hat Captain Joe in den USA, in England, Indien und Deutschland - und zwar in dieser Reihenfolge.

Wird Captain Joe auf der Straße erkannt?

Joe Diebolder: Das kommt vor. Die Popularität ist innerhalb kurzer Zeit sehr gestiegen und geht weit über Deutschland hinaus, da ich in den Videos Englisch spreche. Vor kurzem war ich auf einer Pilotenmesse in London eingeladen. Mein kleiner Stand dort wurde buchstäblich überrannt. Die Leute standen Schlange und haben teils zwei Stunden gewartet, nur um ein paar Takte mit mir zu reden. Es fällt mir echt schwer, damit umzugehen. Ich will immer jedem gerecht werden.   

Wie kommst Du auf Deine Themen? 

Joe Diebolder: Sehr oft gehe ich auf Fragen ein, die mir Nutzer stellen. Einmal habe ich zum Beispiel ein Foto von meinem Bett im Jumbo auf Instagram gepostet. Auf Langstreckenflügen teilt sich die Crew auf und schläft nach dem Rotationsprinzip. Auf einem zehnstündigen Flug darf man ca. drei Stunden schlafen, bis der nächste ins Bett darf. Daraufhin fragten sich viele, wo sich der Schlafplatz für Pilot und Crew auf einem Langstreckenflug befindet. Das habe ich dann in einem eigenen Video erklärt. Manchmal, wenn ich nicht arbeite, setze ich mich auch einfach zu den Passagieren und frage sie, was sie gerne übers Fliegen wissen wollen. Oder ich lasse mich von Freunden und Bekannten inspirieren.

Dein erfolgreichstes Video (einfach unten anklicken) hat über 7 Millionen Aufrufe. Es geht der Frage nach, ob ein Passagier ein Flugzeug landen kann... 

Joe Diebolder (grinst): Das ist ein schönes Beispiel, dass einem manchmal auch der Zufall hilft. Die Idee dazu kam spontan an der Flugschule in Essen. Meine Schwester Helen hat mich damals begleitet. Weil die Flugsimulatoren dort täuschend echt sind, ergriffen wir die Gelegenheit und Helen spielte den Passagier, der zum Kapitän wird. Meine Schwester hat es am Ende sogar geschafft. Aber wie gesagt: das war an einem Simulator. In der Realität kommen Stress und Nervosität dazu. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass einem Passagier dies tatsächlich gelingen könnte.     

Welche Rolle spielt das Allgäu für den Weltenbummer Captain Joe? 

Joe Diebolder: Eine große. Ich lebe in München und bin viel unterwegs. Da fehlt mir das Allgäu natürlich. Wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, kann ich wunderbar abschalten. Langfristig möchte ich mit meiner Freundin zurück in die Heimat.

   

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