Der SPIN von höfats aus KE
03.04.2019 Wissen & Quizzen

Über 500.000 Euro und ein Flammensturm! Wie diese Allgäuer Gründer Kickstarter erobern

Hier glüht kein kleines Licht, hier schießt eine Feuer-Säule in die Luft! Der Brennstoff für das neue höfats-Produkt heißt: Crowdfunding (Gruppenfinanzierung). Auf Kickstarter haben die Neu-Kemptener innerhalb eines Monats über 500.000 Euro eingenommen - weit mehr als jedes Allgäuer Unternehmen vor ihnen. Der SPIN, ein Flammen-Tornado für den Hausgebrauch, ist das bislang erfolgreichste Kickstarter Projekt aus Deutschland 2019 und steht schon jetzt, sechs Tage vor Ablauf der Kampagne, auf Platz zehn der ewigen deutschen Bestenliste. Wie das Allgäuer Start-up das gepackt hat und wie auch Deine Kickstarter-Kampagne ein Erfolg werden kann, erzählt Dir CEO Thomas.

"Hammer!", sagt Thomas Kaiser (32) und grinst breit. Gerade hat er einen kräftigen Biss von seiner Bratwurstsemmel genommen. Ganz Start-up-like treffen wir den höfats-Gründer und Co-Geschäftsführer beim mittäglichen Grillen mit Kollegen. Offene Flammen schlagen aus der 'beer box', auf seinem selbst entworfenem Grill brutzeln Würschtl und Veggy-Patties für die Belegschaft. Man(n) trägt Jeans-Hose statt Krawatte.

In etwas mehr als einem Monat über 500.000 Euro Umsatz: Da setzt man sich doch schon den Party-Hut auf, oder? "Klar. Wir feiern diese Summe. Aber noch ist die Kampagne nicht vorbei, da geht noch was", sagt Thomas. "Man muss nur aufpassen, dass man nicht größenwahnsinnig wird", fügt er lachend an. (Immerhin erzählt das jemand, der für sein Werbevideo inmitten eines zehn Meter hohen Feuersturms stand...)

SPIN heißt das neue Produkt der Allgäuer Design-Ingenieure Thomas Kaiser und Christian Wassermann (35) und es macht Furore auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter (siehe Infokasten). So simpel am Ende die Ausführung, so genial die Idee hinter der Feuersäule für den Ess- oder Gartentisch. Durch Thermik angetrieben, saugt die Flamme (befeuert vom höfats-eigenen Bio-Ethanol) Luft an, die von drei schräg angebrachten Edelstahl-Blechen geleitet wird. So entsteht ein Wirbel. Die Flamme dreht sich - und strahlt Wärme ab - ein angenehmer Nebeneffekt, in lauen Allgäuer Nächten. 

"Das Prinzip haben wir ja nicht erfunden, das gibt die Natur vor", sagt Thomas. "Aber wir sind die ersten, die es so einfach (und damit günstig) umgesetzt haben." Das taugt den Kickstarter-Unterstützern so gut, dass sie alle Erwartungen abfackeln. "Uns war klar, dass wir das vorgegebene Finanzierungs-Ziel von 10.000 Euro erreichen", sagt Thomas. "Wir wollten Crowdfunding für einen 'lauten' Produkt-Start nutzen - und damit auch höfats selbst bekannter machen. Ganz ehrlich: unser internes Ziel waren 100.000 Euro."

Und jetzt: Kohle ohne Ende! "Die können wir uns jetzt aber nicht in die Taschen stecken und untertauchen", sagt Thomas lachend. Gegenüber den Unterstützern hat höfats jetzt eine Verantwortung. Denn die über 500.000 Euro haben die 'backer' nicht gespendet, sondern den SPIN und andere höfats-Produkte gekauft. "Jetzt müssen wir auch liefern. Klar - bei so vielen Bestellungen werden wir ein paar Tage länger brauchen - aber immer noch wesentlich schneller sein, als bei Kickstarter üblich", ist sich Thomas sicher.

Etwa jedes vierte Crowdfunding-Produkt im Hardware-Bereich würde überhaupt nie beim Kunden ankommen. "Einige Start-ups unterschätzen die Vertriebs- und Logistik-Kosten und den Aufwand, der dahinter steht", erklärt Larissa Pucher, verantwortlich für E-Commerce und Online-Marketing bei höfats. "Zum Glück haben wir da schon viel Erfahrung", sonst könne eine hohe Crowdfunding-Summe sogar zur Belastung für ein kleines Unternehmen werden. 

Ist der Kickstarter-Erfolg planbar? "Jein", meint Thomas. "Eine Garantie hast Du nie, aber wenn Du bestimmte Regeln befolgst, sind Deine Chancen für eine gute Kampagne höher." Seine Tipps: 

Des duesch:
1. Frag Dich, wer Du bist: Dein Produkt, Deine Firma und der Auftritt müssen zum Crowdfunding passen. Und Du musst wissen, wie Du den USP (das Alleinstellungsmerkmal) Deines Produkts am besten herausstellen kannst. Und wenn Du Dir dafür zwölf Windmaschinen ausleihen und einen zehn Meter hohen Feuer-Tornado abfackeln musst, dann muss das halt. 

2. Gib Gas: Gerade die ersten 48 Stunden sind für Deine Kampagne entscheidend. Bis dahin musst Du schon Einiges an Umsatz gemacht haben. So bleibst Du sichtbar - bedenke: Jeden Tag sind über 5.000 Kampagnen allein auf Kickstarter aktiv. Also: Hau Deine Freunde, Deine Familie, Bekannte und (falls vorhanden) frühere Kunden an. "Hey, Ich hab da etwas Neues, willst Du Dir das mal anschauen..." 

3. Mach Marketing: Manche Experten raten, rund 30 Prozent des Kickstarter-Umsatzes direkt wieder in Ads zu investieren. Bei höfats war das weniger, aber trotzdem eine bislang fünfstellige Summe. Vor allem im Social-Media-Bereich sind die Kemptener präsent. Sie analysieren jede Werbung, legen nach, entwerfen neu, schreiben um und legen Geld nach. 

Des lasch sei: 
1. Nicht ausliefern: Klingt logisch, trotzdem scheitern regelmäßig hochgelobte Crowdfunding-Projekte am shipping. Du brauchst einen Plan und eine gute Struktur. Manchmal musst Du eben weg vom Start-up-vibe und hin zur Excel-Tabelle. 

2. Nicht kommunizieren: Gerade bei erfolgreichen Kampagnen erreicht Dich eine Flut von (An-)Fragen. Beantworte jede, die Unterstützer müssen das Gefühl haben, Dich erreichen zu können. Bleib auch offline offen: Frag bei den netten Gründern aus der Nachbarschaft nach, was sie von Deinem Auftritt halten. Vernetze Dich, um connections aufzubauen. 

3. Zu früh jubeln: Eine Kickstarter-Kampagne ist harte Arbeit, also verbrenn' Dir nicht die Finger. Wenn Du das funding-Ziel erreichst, ist das nicht Dein Gewinn - sondern Dein Umsatz! Du musst Deine Versprechen halten, sonst bist Du gleich unten durch. 

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