Voll der Burner
01.02.2019 Hier & Heute

58 Meter! Vorarlberger planen höchstes Lagerfeuer der Welt

Die Funkenzunft Lustenau (Österreich) möchte im März das höchste Lagerfeuer der Welt entzünden. Dafür baut sie schon. Andere Vorarlberger kritisieren die Aktion, weil sie das Holz verschwendet sehen und Umweltverschmutzung fürchten.

Es soll ein Weltrekord werden. Die Funkenzunft Lustenau in Vorarlberg will im März einen 58,60 Meter hohen Funken entzünden. Der soll genau so weit gen Himmel ragen, wie das höchste Gebäude der österreichischen Marktgemeinde, der Turm der Kirche St. Peter und Paul – und damit auch weiter als die Türme der Stadtpfarrkirche in Lindenberg. Sollten die Funkenbauer das schaffen, holen sie den Weltrekord für das „tallest bonfire“, also das höchste Lagerfeuer.

Mit dem Rekordversuch feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen. Dafür sind die 21 Vereinsmitglieder schon eifrig am Bauen. Erst musste ein geeigneter Standort gefunden werden, denn der eigentliche Funkenplatz reichte für das riesige Bauwerk schlicht nicht aus.

Dann legten die Männer eine Zufahrtsstraße aus Kies und Schotter, damit das schwere Holz auch an Ort und Stelle transportiert werden kann. Und es gab ein weiteres Problem: Normale Nägel reichten nicht, um die Hölzer miteinander zu verbinden. Also stellten die Funkenbauer eigene her. „Wir haben Baustahl auf 50 Zentimeter abgeschnitten, erhitzt und eine Spitze geschmiedet“, sagt Funkenmeister Marco Hollenstein.

Für den Bau brauchen die Mitglieder der „Hofstalder“-Funkenzunft außerdem zwei Lkw-Kräne: Einer sichert den Turm ab, der andere zieht die Balken nach oben. Westallgäuer Funkenbauer stapeln meist Paletten aufeinander, die „Hofstalder“ gehen anders vor: Sie legen massive Balken in einem Achteck aufeinander, jede Schicht ist dabei leicht versetzt. So entsteht ein stabiler Turm, der deutlich schmaler wirkt als die Westallgäuer Funken.

Höhenvergleich des geplanten Lagerfeuers mit Bauwerken aus dem Westallgäu

Während die „Hofstalder“ Balken auf Balken setzen, regt sich im Ländle Kritik an dem Rekordversuch. Ein Leserbriefschreiber schätzt die verwendete Holzmenge in den Vorarlberger Nachrichten auf etwa 100 Tonnen. Damit könnte man alternativ auch viele Einfamilienhäuser ein Jahr lang heizen, bemängelt er. Andere Leserbriefschreiber stören sich an der Feinstaubbelastung, die sich bei einem Turm in dieser Höhe nicht nur auf Lustenau beschränke. „Mit solchen Reaktionen haben wir gerechnet“, sagt Hollenstein. Es sei zwar sicher nicht schlecht, auf diese Probleme aufmerksam zu machen, meint er. „Aber das ist der falsche Ort, um damit anzufangen.“

Holzmenge ist geheim

Um die Diskussion nicht noch weiter zu befeuern, verrät der 33-Jährige nicht, wie viel Holz beim Funken wirklich verbrannt wird. Die Balken haben die Zunftmitglieder das Jahr über gesammelt. Das untere Drittel des Turms wird mit neuen Balken gebaut, sie müssen die größte Last tragen. Für die oberen zwei Drittel verwenden die Funkenbauer laut Hollenstein Abbruchholz von alten Häusern.

Standort für den Rekordversuch ist ein Deponiegelände südöstlich von Lustenau. Ihr bisheriger Funkenplatz sei schlicht zu klein gewesen, erklärt Hollenstein. Schließlich müssen Besucher 140 Meter Abstand vom Feuer halten. Aus Respekt vor der Größe des Projekts haben die Verantwortlichen den Sicherheitsabstand 50 Meter größer gemacht, als gesetzlich vorgeschrieben.

Damit der Holzturm stabil steht, haben die „Hofstalder“ auch ein acht Quadratmeter großes Fundament betoniert. Der Turm selbst hat einen Durchmesser von 6,5 Metern. Geplant haben ihn zwei Mitglieder des Vereins. Die gelernten Statiker haben berechnet, wie der Funken errichtet werden muss, damit der Wind ihn nicht umstoßen kann und er gleichmäßig abbrennt.

Theoretisch wäre ein so hoher Funken auch im Westallgäu möglich, meint Ulrich Endras vom Ordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Stiefenhofen, der jährlich für die beiden großen Funken in Oberreute zuständig ist. Allerdings: Eine derartige Anfrage habe er noch nie gehabt. „Man müsste sich Gedanken machen über Parkplätze, ob so viele Zuschauer kommen, dass es eine Großveranstaltung mit Meldepflicht ist, und die Sicherheit muss natürlich gewährleistet sein“, sagt er.

Derzeit hält ein Sonnenwendfeuer in Norwegen aus dem Jahr 2016 den Weltrekord für das höchste Lagerfeuer. Der Turm aus Paletten an der Küste des europäischen Nordmeers war 47,4 Meter hoch. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde brannte er zwei Tage lang. Zwei bis drei Stunden wird der Vorarlberger Funken in Vollbrand stehen, schätzt Hollenstein. Bis auch die Asche nicht mehr glüht, dauere es aber sicher eine Woche. Den „Hofstaldern“ ist das Recht: In dieser Zeit wollen sie an ihrem Lagerfeuer den Weltrekord feiern.

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