Vor 3.000 Fans
31.12.2018 Sehen & Hören

Maxi Schafroth in der Big Box: Wunderbar absurd

Maxi-male Unterhaltung in der Big Box! Kabarettist Maxi Schafroth begeisterte 3.000 Zuschauer mit seinem Programm "Faszination Bayern." Warum die Zuschauer am Schluss sogar trampelten, erfährst Du hier.

Ganz unspektakulär, aber mit großer Verwandlungsgabe schlüpft Maxi Schafroth zu Beginn seines Programms "Faszination Bayern" in die Rolle eines älteren, leutseligen Eröffnungsredners und kündigt den 3.000 Besuchern in der ausverkauften Big Box Allgäu einen "fetzigen und poppigen Heimatabend" an. Etwas nach vorne gekrümmt, in brauner Lodenjacke und mit Filzhut schleicht der Unterallgäuer auf die große Bühne und nimmt, per Kamera auf zwei Leinwände vergrößert, die diensteifrige Ansprache und Begrüßung von Honoratioren auf die Schippe. Mit viel Ironie und Witz entfaltet der 33-Jährige, der 2019 erstmals beim Starkbieranstich am Nockherberg den Politikern die Leviten lesen wird, ein ländliches Panorama des Allgäus, bei dem kaum ein Brauch und kaum eine regionale Besonderheit verschont bleiben.

Bildergalerie Maxi Schafroth in der Big Box

Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert
Allgäuer Schlitzohr: Maxi Schafroth begeisterte in der Big Box. Ralf Lienert

Der Höhepunkt dieser Einleitungsmaskerade ist der von ihm so genannte "Chor der Jungen Union Miesbach". Gemeinsam mit vier hervorragend "tumb und stoisch" auftretenden jungen Männern, die Schafroth seine "quirligen Buben" nennt, singt er in perfekter Mehrstimmigkeit ein wunderbar absurdes Gstanzl.

Auch in seinem zweiten Programm "Faszination Bayern", das als Mittelteil einer Trilogie gedacht ist, bleibt der Unterschied zwischen einem bescheidenen und bis zur Schmerzgrenze sparsamen Allgäuer und dem Rest der Welt das Hauptthema. Schafroths Blick folgt einem "gesamtbayrischen Kontext", und er macht den Lech als Wohlstandgrenze zwischen einem ärmeren Westen und einem reicheren Osten aus. Mit großem Gespür für die kulturellen Feinheiten versteht er es, die schwäbische Demut dem oberbayerischen Selbstbewusstsein plastisch gegenüberzustellen.

Nach wie vor nimmt aber seine Kindheit auf dem elterlichen Hof in Stephansried, dem 78-Seelen-Ort nördlich von Ottobeuren, aus dem auch Sebastian Kneipp stammt, einen großen Teil seines Programms ein.

Zu atmosphärisch großartigen Bottleneck-Klängen von Markus Schalk auf der Gitarre erzählt Schafroth ausgiebig und lustvoll von Katzen als dreibeinigen Mähopfern und einem anarchischen Schulkollegen, der einen eher schädlichen als nützlichen Verkehrsunterricht zum Platzen bringt. Auch seine sprachlich wendigen Ausführungen über Helikopter-Eltern und alemannische Wutmännchen sind erfrischend und kommen bei Jung und Alt im Publikum sehr gut an.

Den Sprachduktus von bäuerlich bis großstädtisch in verschiedenen Dialekten trifft Maxi Schafroth äußerst exakt. Von seinen schauspielerischen und gesanglichen Qualitäten möchte man unbedingt mehr erleben, was das Publikum am Schluss einhellig mit heftigem Trampeln bekundet.

Weitere Artikel